Leichenabtransport per Kran

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Die Leichenschau selbst führte ich routinemäßig durch. Allerdings waren schnell Schwierigkeiten ersichtlich. Der Tote, ein etwa 60-jähriger Mann, befand sich in einer verwinkelten Wohnung. Genauer: er lag in einem der hinteren Zimmer eben dieser Wohnung. Die Wohnung befand sich in einem der oberen Stockwerke. Und ein Aufzug war nicht verfügbar. Das Treppenhaus war zudem eng.

230 Kilo – und danach noch zugenommen.

Jedoch das schwerwiegendste Problem bei Leichenschau und Abtransport war das Gewicht des Toten. Angehörige meinten, er habe bei seiner letzten Wiegung 230 Kilo gewogen. Dies sei jedoch Jahre her. Und der Tote habe seither noch deutlich an Gewicht zugelegt.

Zunächst hätten Angehörige und Rettungsdienst den Mann noch reanimiert. Es habe sechs Helfer bedurft, um ihn in eine entsprechende Position zu bringen. Ich konnte bei der Leichenschau den Toten kaum bewegen oder drehen.

Auch die hinzugezogenen Bestatter schafften es nicht, den Leichnam zum Fahrzeug zu befördern. Es lag einerseits am Gewicht. Jedoch war die Wohnung auch derart verwinkelt, dass ein Durchkommen mit einer Trage undenkbar war.

Feurwehr: Drehleitereinsatz technisch nicht möglich.

Also zog ich die Feuerwehr hinzu. Ich bat um die Entsendung einer Drehleiter, sowie ausreichend Personal als Trageunterstützung.

Zwar wusste ich, dass eine Drehleiter bis auf 30 Meter ausgefahren werden kann. Dies bezieht sich jedoch weitgehend auf in die Vertikale. Eine stark horizontale Überbrückung wäre jedoch Gefahren verbunden gewesen. Das Haus stand etwa 20 Meter von einem möglichen Aufstellungsort der Drehleiter entfernt. Durch die entstehende Hebelwirkung drohte die Drehleiter Schaden zu nehmen – oder gar umzustürzen. Somit schied diese Option aus.

Von einem Abtransport über das Treppenhaus musste ebenfalls Abstand genommen werden. Es war eng und die Absätze schmal. Es hätte sechs bis acht Helfer bedurft. Und diese hätten schon wegen der Körperfülle des Toten keinen Platz gefunden. Im Falle eines Sturzes wären die Helfer gefährdet worden durch die Last von über 230 Kilo.

Also ein Kran…

Also kam ein Kran zum Einsatz. Für das 44-Tonnen-gefährt war es ein Leichtes. Der Verstorbene wurde auf eine Barre verbracht. Mehrere Helfer trugen ihn zur Balkonbrüstung. Durch schwere Ketten getragen, schwebte der Tote am Kranhaken direkt zum Leichenwagen.

Leider ist mir nicht bekannt, wie die Bestatter es schafften, den Toten wieder aus ihrem Fahrzeug zu entladen.

Stefan Hartl

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